Unser Körper steht in ständigem Austausch mit seiner Umgebung. Geräusche, Licht, Bewegung, Berührung, unsere Gedanken und unsere sozialen Beziehungen beeinflussen, wie wir eine Situation wahrnehmen und wie unser Körper darauf reagiert.
Zwischen Anspannung und Entspannung findet dabei ein ständiger Wechsel statt. Dieser Wechsel gehört zum normalen menschlichen Leben.
Berührung ist mehr als ein körperlicher Reiz
Berührung gehört zu den grundlegenden Formen menschlicher Kommunikation. Bereits eine einfache, achtsame Berührung kann unsere Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper lenken.
Dabei spielt nicht nur die Berührung selbst eine Rolle. Auch der Kontext ist entscheidend: Fühlen wir uns sicher? Haben wir Vertrauen zu der Person, die uns berührt? Ist die Umgebung ruhig? Können wir uns Zeit lassen?
Das Nervensystem verarbeitet all diese Informationen gleichzeitig.
Deshalb kann eine ruhige Umgebung und eine aufmerksame, respektvolle Berührung dazu beitragen, dass wir unseren Körper anders wahrnehmen als in einer hektischen Alltagssituation.
Aufmerksamkeit verändert die Körperwahrnehmung
Im Alltag richten wir unsere Aufmerksamkeit häufig nach außen. Wir arbeiten, kommunizieren, lösen Probleme und reagieren auf zahlreiche Reize.
Während einer ruhigen körperorientierten Sitzung kann die Aufmerksamkeit dagegen stärker nach innen gerichtet werden.
Wir nehmen vielleicht den Atem bewusster wahr, spüren den Kontakt mit der Unterlage oder bemerken Spannungen, die uns vorher nicht aufgefallen sind.
Diese Form der Körperwahrnehmung wird auch als Interozeption bezeichnet – also als die Wahrnehmung von Vorgängen im eigenen Körper.
Das autonome Nervensystem
Eine wichtige Rolle bei körperlichen Zuständen von Aktivierung und Ruhe spielt das autonome Nervensystem. Es reguliert unter anderem Herzschlag, Atmung, Verdauung und zahlreiche weitere Körperfunktionen.
Das bedeutet nicht, dass wir diese Vorgänge vollständig bewusst steuern können. Unser Körper passt sich vielmehr fortlaufend an die jeweilige Situation an.
Eine ruhige Umgebung, langsames Atmen, angenehme soziale Kontakte und das Gefühl von Sicherheit können dabei mit einem Zustand größerer Ruhe verbunden sein.
Bei einer körperorientierten Arbeit geht es deshalb nicht nur um die eigentliche Berührung. Ebenso wichtig können die Atmosphäre, die Aufmerksamkeit und das subjektive Erleben von Sicherheit sein.
Was bedeutet das für die craniosacrale Körperarbeit?
Die biodynamische Craniosacralarbeit arbeitet mit einer besonders ruhigen und sanften Form der Berührung. Viele Menschen empfinden diese Form der Begleitung als angenehm und entspannend.
Dabei sollte man jedoch zwischen einer persönlichen Erfahrung und einer medizinischen Wirkung unterscheiden.
Wenn jemand während einer Sitzung Ruhe, Wärme oder Entspannung erlebt, ist diese Erfahrung real und persönlich bedeutsam. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass eine bestimmte Erkrankung behandelt oder geheilt wurde.
Auch die wissenschaftliche Forschung zu den speziellen Wirkmechanismen der Craniosacralarbeit ist noch nicht ausreichend, um weitreichende medizinische Aussagen zu begründen.
Raum für Ruhe
Vielleicht liegt ein wesentlicher Wert einer solchen Sitzung gerade darin, dass für eine gewisse Zeit nichts geleistet werden muss.
Kein Bildschirm, keine Termine, keine ständige Reaktion auf äußere Reize – sondern Zeit, um wahrzunehmen, wie sich der eigene Körper gerade anfühlt.
Für manche Menschen kann bereits dieser Wechsel von Aktivität zu Ruhe eine wertvolle Erfahrung sein.
Craniosacrale Körperarbeit möchte einen solchen Raum anbieten: mit achtsamer Berührung, Präsenz und Zeit für die eigene Körperwahrnehmung.
